Bericht zu unserer Tour Gardasee vom 23. bis zum 27. März 2012

Da es uns in Deutschland eindeutig zu kalt war und meine bessere Hälfte noch kurzfristig Urlaub abbauen musste, hatten wir uns kurzerhand entschlossen, mit dem „Papa seinem Dickschiff“ an den Gardasee zu fahren. Laut der Wettervorhersage herrschten dort Temperaturen bis zu 24 Grad. Also nichts wie ab.

Eigentlich sollte die Anfahrt zum Gardasee, genauer gesagt, nach Riva del Garda unspektakulär verlaufen. Im Navi war „Autobahns“ eingestellt – denn schließlich galt es ja, gerade mal eine Distanz von 801 km auf schnellstem Wege zu überwinden. Damit wir auch nicht in die berühmt berüchtigten Rushhours rein gerieten, sind wir bei Zeiten (5:30) aufgebrochen. Hatten uns ganz schön eingemummelt (Zwiebellook), denn das Thermometer zeigte gerade mal 4 Grad Außentemperatur.

Nach 1 ½ stündiger Fahrt haben wir an einer Tanke einen kurzen Boxenstopp eingelegt. Während ich die heißen Getränke organisierte, schaute sich mein Mann sein Dickschiff an und stellte fest, dass der Hinterreifen „fertig war“ und dass, obwohl er vorher zu Hause noch die Reifen ausgiebig kontrolliert hatte. Wer hätte gedacht, dass der (Tourance EXP) sich so schnell abbauen würde und dass bei gerade mal 6000 km – der hat sich sprichwörtlich in Krümel aufgelöst. Damit wären wir zwar noch bis Italien runter gekommen, aber mehr auch nicht. Na klasse, dachte ich bei mir. Hätten wir doch nicht so viel mitnehmen oder ich vorher noch abspecken sollen. Was tun?

Spontan meinte ich: ich glaube, ganz in der Nähe ist doch dieser Reifenhändler in Biebelnheim, der macht um 9 Uhr auf.“ Die Adresse hatte ich Gott sei Dank in meinem Handy gespeichert. Gesagt, getan, Adresse eingegeben und siehe da, wir mussten gerade mal nur ca. 65 km zurück fahren.

Kurz vor 9 Uhr standen wir auf dem Vorhof vom Reifenhändler. Noch bevor ich runter steigen konnte, ging auch schon das Tor von der Werkstatt hoch. Auf meinen Ausruf„Notfall“ kam von denen prompt der Kommentar „wohl eher ein Überfall“. So schnell konnten wir gar nicht gucken, wie die Dicke in die Halle buxiert und die alten demontiert und die neuen Reifen (Dunlop TR 91) wieder drauf montiert wurden – so ähnlich wie bei der Formel 1. Die Jungs haben das echt drauf! An dieser Stelle mal ein ganz dickes Lob an die Firma Vuidar in Biebelnheim.

Gleichzeitig stellte sich heraus, dass der Besitzer ein Sammler von Porschetraktoren war. Da hatten er und mein Mann sich viel zu erzählen und während seine Jungs sich der Reifen annahmen, führte er uns durch seine Hallen und zeigte uns seine Sammlung. Was sich da in all den Jahren angesammelt hatte, ist schon sehr beachtlich.

Anschließend setzen wir unsere Reise nach Italien fort. Durch die ganze Aktion haben wir zwar einiges an Zeit verloren, aber ehrlich gesagt, das Ganze hat sich gelohnt und wir waren froh, dass wir uns um die Reifen keine Gedanken mehr machen mussten.

Nach mehreren Kaffee-, Tank- (aber nur zweimal, denn die Dicke von meinem Mann führt ja ein regelrechtes Spritfass mit sich) und sonstigen Stopps, kamen wir um halb sieben endlich an unserem Hotel Rudy in Riva del Garda an. Die Dicke bekam ihren Garagenplatz und wir unser Zimmer (riesengroß mit schönem Bad und Balkon). Nachdem wir uns frisch gemacht hatten, ging es zum Abendessen. Allerdings war das Essen doch etwas gewöhnungsbedürftig: Vorspeise: Nudeln mit frischen Tomaten und Basilikum (das war ja noch normal) aber anschließend: zwei kleine Frankfurter Würstchen (mit Speck umwickelt und Käse gefüllt) mit Salzkartoffeln. Mein Mann und ich haben uns erst einmal angeguckt – ehrlich gesagt, uns wäre nach der anstrengenden Fahrt ein Steak lieber gewesen.

Tag 2 unseres Kurztrips:

An diesem Tag hatten wir eine Tour von rd. 200 km geplant. Ziel war unter anderem der „alte Kaiserjägerweg“ in der Nähe vom Lago die Caldorazzo. Aber erstens kommt es anders und zweitens wie man denkt.

Punkt 9 Uhr setzten wir uns mit dem Dickschiff in Bewegung. Zu dieser Uhrzeit waren es schon angenehme 16 Grad und es sollte im Laufe des Tages noch wärmer werden. Unsere Tour startete in Rovereto, ging bzw. sollte über den Passo delle Fugazze (1162 m), Passo di Xomo (1056 m), Passo della Borcola (1206 m), Passo Coe (1.694), Passo di Valbona (1782 m), Passo della Vena (1694 m), Passo di Vezzana (1402) und schlussendlich über den alten Kaiserjägerweg zurück nach Folgaria wieder nach Rovereto gehen.

Wir waren erstaunt, dass jetzt um diese Jahreszeit die Pässe alle auf hatten – zumindest dachten wir bei den ersten, die wir überwunden hatten, so. Aber wir wurden schnell eines Besseren belehrt. Irgendwann mitten auf unserer Tour ging es an einem Pass auf einmal nicht mehr weiter – er war gesperrt. Ein Radfahrer, der uns aus der gesperrten Richtung entgegen kam, meinte nur, dass wir dort mit unserem Motorrad nicht durch kämen – überall wären Steinlawinen runter gegangen und hätten die Strasse zugeschüttet – man käme gerade mal mit einem Fahrrad durch. Was tun? Wir entschieden uns für einen Weg rechts vom gesperrten Pass – dorthin war auch der Fahrradfahrer entschwunden. Nach ca. 250 m versperrte uns ein kleiner Baumstamm die Weiterfahrt. Bevor wir uns aber versahen, kam ein Baumfäller aus dem Gestrüpp hervorgesprungen und räumte ihn auf Seite. Anschließend joggte er ca. 100 m weiter nach vorne und zog einen weiteren Stamm von der Gasse und schon ging es weiter. Die Straße wurde im Verlaufe unserer Fahrt immer enger – Leitplanken gab es schon lange nicht mehr und wir hatten ständig den Abgrund vor den Augen. Irgendwann hörte die Straße ganz auf und ab dann gab es auch keinen Belag mehr, sondern nur noch Schotter. Fast unser Ziel in greifbarer Nähe kam das Ende unserer Abenteuerfahrt (Totalsperrung – ohne vorherige Ankündigung) und wir mussten unverrichteter Dinge den ganzen Weg wieder zurückfahren.

Wir kamen natürlich da wieder raus, wo wir an dem „Du-kommst-hier-nicht-durch-Pass“ abgebogen waren. Das Navi half uns auch nicht weiter: wollte wieder auf der gleichen Strecke zurück, die wir gerade erfolglos erkundet hatten. Langsam lagen die Nerven blank und es fing auch noch an zu nieseln und weit und breit kein Cafe in Sicht. Irgendwann hatten wir dann aber doch den richtigen Weg gefunden und der erste Laden, der uns in den Weg sprang – war unserer – schließlich galt es unseren Hunger und Durst notdürftig zu stillen, denn bis zum Abendessen im Hotel war es noch ewig lang.

Zwischenzeitlich hatte sich der Nieselregen wieder verzogen– und wir schwangen uns auf die Dicke und fuhren gemütlich Richtung Hotel, wo ein Wellnessabend auf uns wartete (Whirlpool, Dampfsauna, Biosauna, Wellness-Wasch-Massieranlage etc.) – halt alles was das Herz begehrt und Erholung pur zu der doch so anstrengenden Fahrt.

Tag 3: 

Nachdem der gestrige Tag ein wenig Wolkenverhangen und feucht war, schien heute wieder die Sonne vom Feinsten. Temperatur am frühen Morgen: 17 Grad (… und es wurde wärmer….). Geplant war eine Tour in die Berge mit einigen Seen rund um den Gardasee. Zunächst ging es Richtung Arco. Selbstverständlich durfte auf der Tour unser geliebter Mendelpass (von meinem Mann „passo mendolino“ genannt) nicht fehlen. Nach einer kurzen Rast am Pass (reimt sich fast) ging des dann weiter über Spiazzo zum Idrosee. Unterwegs kamen wir noch an einigen Seen, deren Namen ich mir aber nicht alle behalten habe, und am Tal der tausend Wasserfälle (Val di Genova) vorbei – zu dieser Jahreszeit aber leider noch gesperrt.

Eine sehr kurvenreiche Straße führte uns vom Idrosee über Gargnano wieder runter an den Gardasee und dann zurück zum Hotel nach Riva del Garda. Unterwegs hatten wir teilweise mit Temperaturen von 23,5 Grad zu kämpfen. Die Tour hatte eine Gesamtlänge von 200km – reine Fahrzeit ca. 5 bis 6 Std, davon jedoch ca. 80 % nur kurvenreiche Strecken.

Tag 4:

Heute hatten wir uns eine kleinere Tour ausgesucht, da die letzten zwei Tage doch sehr anstrengend waren. Ausgangspunkt unserer Tour war wieder Rovereto. Insbesondere galt es heute den „alten Kaiserjägerweg“ zu suchen und zu finden. Da wir einen Teil der Strecke ja schon vom ersten Tag her kannten und wussten, wo wir nicht mehr abbiegen durften , haben wir improvisiert und sind parallel gefahren, bis wir wieder auf die eigentliche Route kamen. Not macht halt erfinderisch.

Irgendwann später haben wir ihn dann auch gefunden – und wir hatten Glück, die Wintersperre hatte man gerade Tags zuvor aufgehoben. Eher wir uns versahen, waren wir im Null-Komma-Nix unten und keiner einzigen Menschenseele begegnet. Dort stellten wir dann fest, dass wir mit der Tour eigentlich viel zu früh fertig waren – kein Wunder, hatten ja abgekürzt. Also beschlossen wir, kurz noch beim Monte Baldone vorbeizuschauen – kann nur sagen, gute Idee – gute, ausgebaute und langgezogene Kurven. Oben auf der Höhe fand man zum Teil noch Schnee, der von einigen Italienern zum Skilaufen genutzt wurde.

Irgendwann fanden wir uns dann kurz vom Gardasee wieder. Als wir jedoch dachten, die Strecke kennen wir, jetzt geht’s schnurstracks nach Riva del Garda, hatte sich unser Navi was Anderes ausgedacht –halt die kürzeste Strecke. Die entpuppte sich als abgelegener Wander- und Radweg, mit enger Straßenführung und engen steil ansteigenden 180 Grad Kurven. Die Spaziergänger, die uns entgegenkamen, staunten nicht schlecht. Urplötzlich standen wir vor einer Steilwand, an der sich einige „Freeclimber“ versuchten. Diese Sportart ist schon fazinierend – wenn man sie kann. Danach setzten wir unsere Abenteuerfahrt fort und kamen mit breitem Grinsen im Gesicht im Hotel an. Ein letzter Gang in die Wellnessoase, bevor es am nächsten Tag wieder zurück nach Hause und in die Kälte (am Brenner waren es gerade mal 0 Grad) ging. Die Rückfahrt verlief unspektakulär, sodass es hierüber nicht viel zu berichten gibt.

Insgesamt war es wieder ein schönes, verlängertes Wochenende, das einerseits zwar anstrengend, bedingt durch die vielen Kurven, andererseits aber auch sehr vielseitig und erlebnisreich war.

Kategorien: Südtirol

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