Das war unsere Tour……

Nach einen schier endlos langen und nicht mehr enden wollenden Winter , vom Frühling erst gar keine Spur, bei dem die Motorräder eher rum standen als sie gefahren wurden, stand endlich der erste Ausflug mit unserem BMW-Händler MCA GmbH, Altendiez auf dem Programm.

Wohin es gehen sollte, war bis kurz vor Tourenbeginn noch nicht bekannt. Nachdem wir die letzten zwei Jahre mehr oder weniger die Alpen und dort insbesondere die Region Südtirol/Dolomiten ausgiebig erkundet hatten, sollten bei dieser Tour weniger Pässe, dafür aber umso mehr sehenswerte Landschaften, gespickt mit vielen kurvenreichen Passagen im Vordergrund stehen.

Bei unserem üblich vor Tourenbeginn stattfindenden Meeting, erfuhren wir die Einzelheiten, insbesondere auch den Tourenverlauf: Bei unserer Tour sollten wir folgende Länder bzw. Regionen kennen lernen: die Fränkische Schweiz, der Bayerische Wald, Tschechien, die Steiermark, das Salzkammergut und Kärnten.

Tag 1

Gut ausgerüstet mit Fotoapparaten und zwei Gopro-Hero-Kameras ging’s am 12. Juni 2013 auf große Fahrt und oh Wunder, das Wetter spielte endlich mit und empfing uns an unserem altbekannten Treffpunkt, der Raststätte Weiskirchen, mit einem stahlblauen Himmel und bereits angenehmen Temperaturen.  Angeführt wurde der Trupp wie immer von unserem Tourguide Rudi und als Lumpensammler diente dieses Mal mein Mann Thomas, der gleichzeitig auch als Kameramann unterwegs war.

Da es sich nicht anders vermieden ließ, mussten wir einen Teil unserer Tour leider erst einmal über die A3, vorbei an Aschaffenburg und Würzburg, hinter uns bringen, bevor wir bei Schlüsselfeld die Bahn verlassen konnten. Willkommen im Steigerwald. Ab jetzt waren nur noch Landstraßen, ab und zu ein paar Bundesstraßen, sowie land- und forstwirtschaftliche Wege unsere ständigen Begleiter.

Vorbei an Mühlhausen und Pommersfelden ging es zunächst kreuz und quer durch die Fränkische Schweiz. Ab und zu tauchten Städtenamen wie  Forchheim, Gößweinstein, Pegnitz, Grafenwöhr, Auerbach, Sulzbach-Rosenberg, Schwandorf  etc. vor unseren Windschildern auf, bis wir einen kleinen Zwischenstopp in einem gemütlichen Restaurant und Steakhaus, das Bräu Pfandl in Cham im Oberpfälzer Wald einlegten. Die Motorräder fanden Platz in einer Nebenstraße, die wir aber gut einsehen konnten und die Helme suchten sich einen schattigen Platz unter einem Sonnenschirm, wo ihnen die Hitze und die Sonne nichts anhaben konnten (siehe Foto).

Nachdem wir uns dort ausgiebig die Bäuche vollgeschlagen hatten, setzten wir unsere Tour fort. Über Runding rollten die Räder nach Bad Kötzting und von dort über Hohenwarth bis nach Lam. Hier bot sich uns ab Lohberg eine äußerst kurvenreiche Strecke, die über den Scheibensattel (1050 m) am 1456 m hohen großen Arber vorbei nach Bayerisch Eisenstein führte, wo wir kurz den Bayerischen Wald verließen und uns auf fremden Grund und Boden begaben – wir waren in Tscheschien eingedrungen und legten dort in Zelezna Ruda einen kleinen Kaffeestopp ein.

Von hier aus war es dann auch nicht mehr weit bis zu unserem ersten Übernachtungsziel, dem Zwiesler Waldhaus im gleichnamigen Dorf.  Dort angekommen wurden, angesichts des drohenden Hitzekollaps, die Motorräder kurzer Hand vors Haus abgestellt und ohne weitere Absprache fanden sich alle im angrenzenden Biergarten wieder, um Getreu dem Motto „Hoo i oon duasch“ erst einmal ein kühles Bier zu ordern. Nach einem gemütlichen Abendessen fielen wir anschließend ziemlich erschöpft ins Bett – schließlich hatten einige von uns heute bereits über 500 km Anfahrt hinter sich.

Tag 2

Der nächste Morgen empfing uns erneut mit einem wolkenlosen Himmel und die bereits jetzt herrschenden Temperaturen kündigten einen sehr heiß zu werdenden Tag an.

Unser heutiges Tagesziel hieß das Gasthaus Hirschenwirt in Schöder (Steiermark). Außerdem sollten wir heute die Stadt Passau, das Salzkammergut und eine kleine „Schotterpassage“ zum Sölkpass kennen lernen. Wir waren alle sehr gespannt. Voller Energie schwangen wir uns auf unsere Motorräder und folgten unserem „Anführer“ über Zwiesel nach Regen. In Regen bogen wir auf die B 85 ab und folgten dieser bis nach Passau. Ehrlich gesagt waren wir froh, als wir diese kurz vor Passau wieder verlassen konnten, denn an diesem Wochentag wimmelte es nur noch von Lkws  und rollenden Wohnzimmern.

Die Altstadt von Passau konnten wir allerdings nur erahnen, denn diese war immer noch überflutet.  Anhand der Häuserfassaden konnten wir erkennen, bis wohin das Wasser noch vor kurzem tatsächlich gestanden hatte. Überall war man mit Aufräum- und Säuberungsarbeiten beschäftigt.

Noch ganz benommen, von den Eindrücken, die die Stadt auf uns hinterlassen hatte, brachen wir auf und kurvten ein Stück an der Donau entlang bis nach Engelhartszell. Von dort ging es dann rechts  runter immer weiter in Richtung Gmunden.  Am wunderschönen Traunsee vorbei führte uns Rudi auf der B 145 in die Region „Salzkammergut“. Kurze Zeit später passierten wir hinter Bad Goisern unseren ersten Pass, den Pötschenpass (993 m). In Erwartung auf die angekündigte „kleine Schotterpiste“ zog es uns weiter. Vorbei an Bad Aussee und Bad Mitterndorf fuhren wir bis nach Pürgg und von dort runter nach St. Martin a. Grimming bis nach Gröbming. Dort hieß es rechts ab in Richtung Sölkpass (1788 m). Die angekündigte kleine Schotterpiste entpuppte sich jedoch als Baustelle mit Splittbelag. Anscheinend wollte die Gemeinde auch noch das letzte Fleckchen „unberührte Natur“ der Zivilisation opfern. Schade, doch keine Offroad-Einlage.

Danach konnten wir unseren Moppeds freien Lauf lassen, denn die Straße zog sich wie ein Korkenzieherband den Berg hinauf. Kurz vor dem Gipfel lud uns das schöne Wetter nochmal zum Rasten auf einer Berghütte ein. Wer Lust hatte, konnte sich in den bereitgestellten Liegestühlen oder auf einer Schaukel entspannen.

Nach einer kurzen Rast zog es uns weiter zur Passhöhe – und wer hätte es gedacht, hier lag tatsächlich noch Schnee. Die Runterfahrt verlief genauso so kurvenreich weiter, sodass ein paar von unserer Gruppe spontan entschieden, kurz vor dem morgigen Frühstück dem Sölkpass nochmals einen Besuch abzustatten. Viel zu schnell waren wir an unserem Hotel angekommen. Dort bezogen wir unsere Zimmer (sehr gemütlich und rustikal) und unsere Moppeds die  Scheune. Gegessen wurde angesichts des schönen Wetters auf der Hausterrasse. Den Abend ließen wir bei Schnaps und Benzingesprächen an der hauseigenen Bar ausklingen.

Tag 3

Wie angekündigt, brachen morgens vor dem Frühstück vier Motoräder nebst ihren Fahrern auf, um erneut den Sölkpass zu bezwingen. Eine Stunde später trafen alle mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht wieder rechtzeitig zum Frühstück ein. Ich hatte die Gelegenheit genutzt, die Gegend mit dem Fotoapparat zu erkunden. Denn Schöder ist ja aus Film- und Fernsehen bekannt. Hier wurde der Heimatfilm „die Leute von St. Benedikt“ und der Film „Jakob, der Letzte“ gedreht.. Ihr seht, bei unseren Touren kommen wir viel rum, es wird nie langweilig und ist stets abwechslungsreich.

Beim Frühstück teilte uns Rudi dann mit, dass heute der Besuch des Nationalparks Nockberge mit seiner mautpflichtigen Nockalmstraße auf dem Programm stehen würde.. Voller Vorfreude schwangen wir uns auf unsere Bikes und führten diese in Tamsweg erst einmal zum Volltanken zum Spritfass. Anschließend düsten wir nach Rennweg und Kremsbrücke und nahmen dabei in einem Zug auch den Katschbergpass (1641 m) mit, bis wir kurz danach bei Innerkrems die Mautstation erreichten. Allein der Anblick, der sich uns hinter der Mautstation auftat, ließ viele kurvenreiche Passagen erahnen.

Die Nockalmstrasse ist 34 Kilometer lang und hier gibt es nichts außer Kurven und Natur – der reinste Motorradhimmel. Es folgt Kehre auf Kehre – insgesamt zählt die Nockalmstraße 52 solcher Kehren. Urige Häuser und Hütten laden zum Einkehren ein. Die Nockalmstraße ist außerdem jedes Jahr Schauplatz von Oldtimer- Bergrennen. Ein paar solcher Oldies sind uns dort auch begegnet.

Nach einigen Kilometern erreichten wir die erste Passhöhe, die Eisentalhöhe auf 2042 m, danach folgte die Schiestlscharte auf 2024 m Höhe. Die  Turracher Höhe mit 1783 m ließen wir buchstäblich links liegen und düsten bergab über die Ebene Reichenau (1060 m) nach Deutsch-Griffen. Die anschließende Weiterfahrt über die Gurktaler Alpen bis nach Predlitz mit ihren endlosen Kurven war dann der krönende Abschluss unserer heutigen Tour. Viel zu schnell war der heutige Tag wieder vergangen. Von Predlitz ging es zurück nach Tamsweg. Bevor wir jedoch den Weg zum Hotel einschlugen, gönnten wir uns dort erst einmal zur Belohnung einen Eisbecher. Später war dann Kofferpacken angesagt, denn schon morgen sollten die Bikes auf halben Weg wieder zurück nach Hause in Richtung Zwiesler Waldhaus rollen.

Tag 4

In der Nacht brachte etwas Regen ein wenig Abkühlung, aber morgens früh waren die Straßen alle schon wieder trocken. Der Wettergott meinte es dieses Mal wirklich gut mit uns.

Nachdem wir gepackt und gefrühstückt hatten brachen wir zum Radstädter Tauernpass (1739 m) auf.  Wie das Pendel einer Uhr (rechts, links, rechts, links) reihte sich auf den Weg nach Radstadt eine Kurve an die andere. Da wir die Passstraße fast für uns alleine hatten, genossen wir die Runterfahrt in vollen Zügen und legten bei der einen oder anderen Kurve ein „Knieschleifertraining“ ein. Unten im Tal hieß es dann erst mal anhalten und oh Wunder, auf allen Gesichtern, die unter den Helmen hervorkamen, sah man nur noch ein breites Grinsen. Woran das wohl lag?????

Kurze Zeit später schwangen wir uns wieder auf unsere Moppeds und fuhren über Eben bis ins Lammertal. Dort bogen wir auf die B 166 ab und folgten dieser bis nach Lindenthal und weiter über den Pass Gschütt (967 m) bis an den Hallstätter See.

Da der Besuch der Stadt Hallstatt ein absolutes „Muss“ darstellt, ließen wir die Motorräder auf einem nahegelegenen Parkplatz zurück und erkundeten die Stadt unfreiwilliger Weise zu Fuß (Auto- und Motorradfreie Zone). Die Stadt Hallstadt gehört zusammen mit dem angrenzenden Dachstein und dem inneren Salzkammergut zum UNESCO-Welterbe. Dicht nebeneinander drängen sich an den steilen Felswänden und am schmalen Ufer entlang wunderschöne Fachwerkhäuser. Einige Häuser sind sogar auf Pfählen direkt in den See hineingebaut. Den Namen bekam Hallstatt durch das Salzvorkommen, was hier gefunden und abgebaut wurde, benannt.

Noch eine kurze Rast am Marktplatz und schon mahnte Rudi wieder zum Aufbruch. Also nichts wie rauf auf die Moppeds und weiter an Bad Ischl vorbei bis nach Mittlerweißenbach. Dort zog es uns linker Hand über den Weißenbacher Sattel (565 m) bis zum Attersee. Am Attersee vorbei bogen wir nach St. Georgen ab und fuhren über die B 151 bis nach Ried im Innkreis. Wir konnten uns an der wundervollen Gegend, die einfach zum Cruisen einlud, nicht satt genug sehen. Es müssen ja nicht immer Pässe sein, um beim Motorradfahren voll auf seine Kosten zu kommen.

Kurze Zeit später verließen wir die Bundesstraße und folgten ein Stück der Autobahn A 3 bis zur Abfahrt Aicha vorm Wald. Anschließend führte uns die Tour über die B 85 über Eging am See nach Spiegelau, das am bayerischen Nationalpark liegt. Von dort war es nur noch ein Katzensprung bis zu unserem Hotel, dem Zwiesler Waldhaus. Dort ließen wir bei einem ausgiebigen Mahl den heutigen Tag nochmal Revue passieren. Schade, dass es morgen schon wieder  zurück nach Hause ging. 

Tag 5 

Leider hieß es heute Abschied nehmen.  Zuvor führte uns jedoch unser Tourguide Rudi über kleine, schmale und verwinkelte Gässchen und Straßen vom Bayerischen Wald in die Fränkische Schweiz. Dort legten wir den letzten Boxenstopp ein und bogen anschließend bei Forchheim auf die A 73 ab. Gemeinsam ging es so auf der Autobahn weiter bis kurz vor der Raststätte Weiskirchen, wo nach einem kurzen Fotoshooting jeder seinen Weg nach Hause fortsetzte.

So, das war’s! Vielen Dank nochmals an alle, die mitgefahren sind. Es hat riesen Spaß mit Euch gemacht. Besonderen Dank auch an Rudi, unserem Tourguide, für diese supertolle und erlebnisreiche Tour von rd. 2.000 km.

Kategorien: Allgemein

1 Kommentar

Dieter Kaiser · 31. Juli 2013 um 17:16

Super gemacht
Da hab richtig Lust auf die nächste Tour.

Gruß Dieter

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